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Vor diesen Herausforderungen stehen PrivatwaldbesitzerInnen und Walderben im Klimawandel

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Wer hat den klimatischen Wandel in den letzten Jahren nicht bemerkt? Überall sieht man trockenen Wald. Großflächige Lücken, die in die grüne Idylle gerissen werden. Höhere Temperaturen, längere Dürreperioden, Extremwetter-Ereignisse wie Starkregen oder Frosttage belasten unsere Bäume.

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Der Anblick kann wirklich erschreckend sein.

Jetzt stellt euch vor, ihr besitzt ein kleines Stückchen Wald. Ob 1 ha oder 20 ha ist in dem Falle egal. Meist ist es Generationenwald, meist unter 20 ha Fläche und oft irgendwann geerbt oder auch selbst gekauft. Dadurch, dass wir als junge Eigentümer:innen heutzutage gerne andere Berufe erlernen als unsere von Land- und Forstwirtschaft lebenden Vorfahren, dafür in die Stadt ziehen und vielleicht ein bisschen vergessen, dass es da noch 5 ha Wald in unserem Besitz gibt, sind wir mit der Herausforderung einer nachhaltigen Bewirtschaftung häufig nicht mehr vertraut.

 

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Deutschland ist zu ca. 1/3 bewaldet. Knapp die Hälfte davon ist in Besitz von Privatwaldeigentümer:innen.

Privatwaldbesitzer wie der Opa, der schon vor 60 Jahren den Hof und das Land der Familie geführt hatte, haben meistens irgendwann ein bisschen Wald dazu gekauft und dann weitervererbt – denn schaden kann es ja nie und die damaligen Preise rechtfertigten die Investition. Ein eigenes Stück Wald galt früher als sichere Geldanlage. Und wieso auch nicht? Eigenes Holz zum Heizen im Winter, oder zum Stall-, Wohnhaus- und Scheunenbau. Und wenn’s gut lief, konnte man vielleicht noch ein bisschen Wildbret aus dem eigenen Wald holen. Ist doch toll! Diese Vorteile blieben lange Zeit bestehen. Das Holz wuchs praktisch ganz von alleine, da musste gar nicht viel gemacht werden – es dauerte halt.

 

„Menschen mit einer neuen Idee gelten solange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat.“

Mark Twain Amerikanischer Schriftsteller
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Für den Großvater noch Existenzgrundlage, für die Erben eine Last?

Der Wald als beiläufiges Erbe?

Als Existenzgrundlage ausgedient – Wie ist die Rolle des Waldes im Privatbesitz heutzutage einzuordnen?

Ganz so einfach wie früher ist das eben leider nicht mehr. Mit den Klimaänderungen, Ökosystemanpassungen und Herausforderungen durch Kultur und Industrie werden auch wir Privatwaldbesitzer:innen mit einigen Unsicherheiten konfrontiert. Kleinflächenbewirtschaftung ist heute an gewisse Gesetzgebungen gebunden, die den Eigennutzen oft erschweren. Im Zuge der Nachhaltigkeits-Debatte fallen dann Begriffe wie „Einzelbaumentnahme“, nur so viel entnehmen, wie auch nachwächst. Nichts zu tun ist oft die kostengünstigere Variante, denn der Aufwand lohnt oft nicht.

Ökonomischer Mehrwert oder Ökosystem-Dienstleistung?

Der eigene Wald hat in den letzten Jahren an ökonomischem Reiz verloren. Die Erträge aus meinem Stück Fläche sind vernachlässigbar klein. Dazu kommen jetzt die klimatischen Änderungen, die eine lange Reihe an Herausforderungen nach sich ziehen. Für jemanden, der sich wenig bis gar nicht mit Waldschutz und -bewirtschaftung auskennt, sind Leistungen wie Biodiversitätsförderung, Abwehr und Prävention von Schäden sowie Förderung anderer Ökosystemdienstleistungen sehr aufwändig und werden durch den ökonomischen Gegenwert kaum gerechtfertigt.

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Wie passt der Wald in unsere heutige und kommende Generationen?

Was jetzt?

Jedoch: Was machen wir als Privatwaldbesitzer:innen, wenn unser halber Bestand von Borkenkäfern zerfressen wurde, die Bäume bei Sturm umfallen und es die Naturverjüngung wegen des vermehrten Verbisses und Spätfrosten schwer hat, überhaupt die ersten Jahre zu überstehen?

Niemand ist gesetzlich verpflichtet, den eigenen Wald zu bewirtschaften und zu pflegen. Oft übernehmen das, gegen Bezahlung, die örtlichen Förster:innen und Revierleiter:innen, manchmal Verwandte oder Bekannte. Doch es bleibt problematisch, wenn ganze Flächen weder genutzt, noch gepflegt werden. Insbesondere, wenn äußere Einflüsse die Gesundheit der Bäume gefährden.

Als Kleinwaldbesitzerin stehe ich wie viele andere vor dieser großen Fragestellung, was mit meinem Bestand in nächster Zeit passieren wird. Klar ist, dass sich waldbaulich einiges ändern muss, wir uns besser informieren und den Zugang zu Handlungsanleitungen erhalten sollten. Neue Ideen müssen her und wichtig ist die Unterstützung aus Politik und Gesellschaft für Erhalt und Förderung von Kleinwald-Flächen. Über Impulse in Richtung innovative Waldbewirtschaftung wären alle, die etwas Fläche besitzen, dankbar. Also jeder mit einer Idee – nur her damit!

So wie Mark Twain bereits wusste: Neue Wege einzuschlagen ist nicht immer direkt schlecht!

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