Silomais und Körnermais – die kennt jeder. Auch das Vergären der Erntereste von Körnermais in Biogasanlagen ist inzwischen nichts Neues mehr. Eine ungewöhnliche Verwertung dieser Kultur ist die separate Ernte der Stängel und ihre Umwandlung in ein Spezialsubstrat für die Pilzzucht. In Südbaden hat das Lohnunternehmen Breitenfellner Agrar GbR aus Binzen dafür ein besonderes Ernteverfahren entwickelt. Ein Schweizer Start-Up nimmt die Ware ab und fermentiert die gehäckselten Maisstängel mithilfe eines speziellen, patentierten Verfahrens. Das dabei entstehende Substrat kann für die Produktion von Champignons eingesetzt werden.
Die nachhaltige Torf-Alternative
Stefan Grass ist der Gründer des Schweizer Unternehmens Cormo in Biel – und das produziert die Cormo-Deckerde für die Champignonproduktion. Neben einer ausgetüftelten Klimaführung in den Produktionshallen benötigen die Pilze zum Gedeihen zwei verschiedene Substratschichten. In der unteren, einem nährstoffhaltigen Kompost, wächst das Pilzgeflecht, das sogenannte Mycel. Die bei den Verbrauchern so beliebten Fruchtkörper entstehen erst auf der oberen, nährstoffarmen Deckschicht. Standardmäßig wird hierfür Schwarztorf eingesetzt. Der wird aber immer knapper und sein Abbau in den verbliebenen Mooren Norddeutschlands und Nord- und Osteuropas steht aus ökologischen Gründen in der Kritik.
Seit rund vier Jahren tüftelt der Schweizer an einem Torfersatz auf der Basis von Maisstängeln und ist bei der Suche nach genügend Rohstoff und landtechnischem Fachwissen auf das Lohnunternehmen Breitenfellner gestoßen. Der Dienstleister hat einen Maispflücker so umgebaut, dass dieser höher arbeitet und die Pflanze erst knapp unter dem Kolben abschneidet, um sie dann auszudreschen. Außerdem wurde das Raupenlaufwerk der Maschine so umgebaut, dass es zwischen den Maisreihen fahren kann und die Stängel nicht platt macht. Auch der Rumpf der Erntemaschine wurde 15 cm höher angesetzt, damit die Bodenplatte nicht die Stängel umdrückt.
Im Idealfall bleiben hüfthohe Erntereste stehen. Diese sollten etwa zwei Wochen lang abtrocknen, damit sich das weißliche Mark im Inneren von der Stängelrinde löst. Später werden die beiden Fraktionen getrennt – für das Champignonsubstrat wird nur das äußere Stängelmaterial verwendet.
Was sagt der Ackerboden dazu?
Eigentlich gilt es als für den Boden vorteilhaft, dass bei Körnermais fast die ganze Pflanze einschließlich der darin enthaltenen Nährstoffe für die Humusbildung zur Verfügung steht: Außer den Körnern verbleibt nach dem Drusch alles organische Material auf dem Feld.
„Bei unserem Verfahren ist das etwas anders, da der Stängel von der Stoppel bis zum Kolben abgefahren wird.“
Moritz Breitenfellner LohnunternehmerDen Verlust an Biomasse schätzt der Lohnunternehmer auf 20 Prozent – und hält ihn für vertretbar, da die meisten Nährstoffe ohnehin in Trieben und Blättern oberhalb der Kolben konzentriert seien, die ja weiterhin – wie die Stoppeln und Wurzeln – auf dem Acker verbleiben.
Regionale Reststoff-Verwertung
Die aus den Maisstängeln hergestellte Spezialerde biete den Champignonproduzenten gleiches Material-Handling und gleiche Betriebsparameter wie der bisher übliche Schwarztorf, meint Stefan Grass. Der Lebensmittelhandel könne gegenüber Gesellschaft und Verbrauchern mit dem Argument punkten, dass zukünftig statt Torf ein regional erzeugtes und nachhaltiges Hilfsmittel in der Champignonzucht zum Einsatz kommt.
„Maisstängel sind ein Reststoff, der kaum genutzt wird und global in riesigen Mengen verfügbar ist.“
Stefan Grass Gründer des Start-Ups CormoEin Blick zu den französischen Nachbarn
2021 hat Breitenfellner von 1.000 Hektar Körnermais die Stängel separat geerntet, 2020 waren es erst 100 Hektar gewesen. Dabei kamen verstärkt Landwirte im Elsaß zum Zug, denn jenseits des Rheins ist der mögliche Erntezeitraum länger. In Frankreich ist, im Gegensatz zu Deutschland, jahrelanger Monomais hintereinander erlaubt. Winterweizen als Folgekultur, der ja rechtzeitig in den Boden gebracht werden muss, spielt bei weitem keine so große Rolle wie hierzulande.