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Humusgehalte per Satelliten messen

Hände mit Erdeimago images/Panthermedia
Fachbeitrag
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Der Verein CO2-Land aus Staufen, der regionale Partnerschaften für den Humusaufbau fördert, hat den Klimaheldenpreis des Freiburger Energieversorgers Badenova gewonnen.

Der mit 146 000 Euro dotierte Preis wurde dieser Tage auf dem Naturgut Hörnle in Schallstadt-Mengen überreicht. Verwendet wird das Preisgeld für die Praxiserprobung des Monitoring-Projektes „Remote Sensing“, zu Deutsch Fernerkundung. Dabei wird auf Basis von Satellitendaten der Humusgehalt von Böden im Raum Freiburg ermittelt, unter anderem auf den Flächen des Naturguts Hörnle.

Humusaufbau mit zwei Proben pro Jahr überprüfen

Das Projekt läuft über zwei Jahre, wobei die per Fernerkundung ermittelten Daten mit denen aus Bodenproben abgeglichen werden. Bisher zieht der Verein seine Proben im zeitigen Frühjahr und im Spätjahr. Untersucht wird nicht nur auf Humus, sondern auch ganz klassisch auf Stickstoff und Grundelemente wie Phosphor, Kalium und Magnesium. Die Kosten je Schlag liegen derzeit bei 100 Euro. Wenn das „Remote Sensing“ wie geplant funktioniert, kann man die aufwendigen Bodenproben und Laboruntersuchungen in Zukunft stark reduzieren. Dadurch verbleiben dem Verein dann mehr Mittel, um den am Projekt teilnehmenden Landwirten ihr Engagement für Klima und Boden besser zu honorieren. Mit der Folge, dass noch mehr Landwirte Humusaufbau betreiben werden, ist sich Projektleiter Michael Schwegler sicher, der sich „100 mal mehr Humuswirte“ wünscht.

Birgit Schüler
Preisübergabe an die Klimahelden (von links): Schallstadts Bürgermeister Sebastian Kiss, Gemüse- und Obstbauer Joel Siegel, Michael Schwegler und Stephen Schrempp vom Verein CO2-Land und Badenova-Vorstand Heinz-Werner Hölscher.

Längst überzeugt ist Joel Siegel, der als Betriebsleiter des Naturguts Hörnle bereits als Humuswirt aktiv ist. Auf seinen 60 Hektar nach Demeter-Kriterien bewirtschafteten Obst- und Gemüseflächen arbeitet Siegel mit Kompost, Silage und Fermenten. Nicht nur die Pflanzen, auch das Bodenleben profitiere, so seine bisherige Erfahrung. Der humusreiche, stets bedeckte Boden speichere das Wasser viel besser, sodass weniger gewässert werden müsse.

Klimahelden – Geld gut angelegt

Zum Beweis macht Michael Schwegler eine Spatenprobe auf Siegels Zucchini-Feld: Unter der dicken Silage-Schicht ist der Boden selbst in diesem extrem trockenen Sommer bis in 20 Zentimeter Tiefe krümelig, gut durchwurzelt und gleichmäßig feucht.
Dass durch Humusaufbau die natürliche Funktion des Bodens, Wasser aufzunehmen und zu speichern, verbessert werden kann, ist auch Sebastian Kiss wichtig. Der Schallstadter Bürgermeister überreichte den Klimaheldenpreis im Namen der 90 Eigentümerkommunen der Badenova. Durch den Verzicht auf drei Prozent ihres Gewinns legen die Anteilseigner den finanziellen Grundstock des Badenova Innovationsfonds. Angesichts von Trockenheit und Starkregen, die die Kommunen vor immense Probleme stellen, sei das Geld in diesem Projekt sehr gut angelegt, sagte Sebastian Kiss.

Birgit Schüler
Michael Schwegler macht die Spatenprobe: Unter einer Silage-Schicht ist der Boden selbst in diesem trockenen Sommer bis in 20 Zentimeter Tiefe krümelig, gut durchwurzelt und gleichmäßig feucht.

Das sieht auch Badenova-Vorstand Heinz-Werner Hölscher so. Die Badenova, die für nachhaltiges, innovatives Handeln in der Region stehe, spüre die Folgen der Klimakrise bereits deutlich. Kommunen, Landwirte und Wasserversorger müssten enger und vor allem großflächig zusammenarbeiten.

Sechs Betriebe beim Humusaufbau dabei

Derzeit arbeiten sechs regionale Betriebe als Humuswirte mit dem Verein CO2-Land zusammen. Bei dem auf zehn Jahre laufenden Projekt erhalten die Landwirte rund 65 Euro je Tonne CO2, die sie durch Humusaufbau in ihren Böden binden. Zum Vergleich: Ein Hektar Ackerboden mit 1 % Humusgehalt speichert 80 Tonnen CO2. Allerdings lässt sich Humus nicht schnell und schon gar nicht in Massen aufbauen. In
20 Jahren sind laut Michael Schwegler Steigerungen von 1 bis 2 % realistisch.

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