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Teufelskralle, Blutwurz, Storchschnabel & Co. – das zeigten die Weiden in diesem Jahr

Adriane März
Fachbeitrag
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Biodiversität und Kulturlandschaft können eng verbunden sein. Das beweisen jährlich zahlreiche Betriebe im Naturpark Südschwarzwald bei der Wiesenmeisterschaft. Auch in diesem Jahr gab es einiges auf den Weiden und Wiesen zu entdecken.

Am Montag, 30. Mai, und Dienstag, 31. Mai, fand die 8. Wiesenmeisterschaft statt. Organisiert wurde diese vom Naturpark Südschwarzwald zusammen mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) in Kooperation mit den französischen Partnern vom äquivalenten „Parc naturel régional des Ballons des Vosges“.

Hintergrund der Meisterschaft ist es, die Leistungen von Landwirtinnen und Landwirten zu würdigen, die ihre Wiesen und Weiden nicht nur auf akzeptable Futterleistung bewirtschaften, sondern auch auf hohe Artenvielfalt Wert legen. Diese Art von Bewirtschaftung verlangt ein gewisses Maß an Erfahrung und Traditionen von Milch- und Fleischerzeugung. Die Erhaltung von Grün- und Offenland als Lebensraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten, sowie deren Bedeutung für den Tourismus und der Identität des Schwarzwaldes und einiger anderer Funktionen sollen mit der Meisterschaft in das Bewusstsein der Landwirtinnen und Landwirte gerückt werden.

In Frankreich wird diese Art von Meisterschaft alljährlich in mehr als 40 Regionen im ganzen Land durchgeführt und zeugen von hoher Relevanz und öffentlicher Wahrnehmung. Die französischen Wiesenmeister wurden bereits am 30. Mai 2022 ermittelt.

Wer kann mitmachen?

Die Anmeldebedingungen in diesem Jahr lauteten wie folgt:

  • Teilnehmen können Milcherzeugerinnen und -erzeuger, die an die Schwarzwaldmilch GmbH liefern.
  • Es können Weideflächen gemeldet werden, die größer als 30 Ar sind und über 500 m ü NN im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald liegen…
  • … und mindestens vier der auf dem Meldebogen abgebildeten Arten aufweisen.
Naturpark Südschwarzwald
Das sind die Kennarten für eine arten- und futterpflanzenreiche Weide.

Das gab’s in diesem Jahr

In diesem Jahr wurden 18 Flächen im Südschwarzwald zur Begutachtung eingereicht. Eine Vorab-Begehung reduzierte durch strenge Kriterien die Vorauswahl auf insgesamt sechs Flächen, alle auf Höhenlagen, die am 31. Mai durch die deutsch-französische Fachjury begangen und bewertet wurden. Die sechs Flächen verteilten sich vom Schauinsland über den Feldberg bis Titisee-Neustadt und Hinterzarten.

Die Jurymitglieder, ein Expert:innen-Team aus den Bereichen Landwirtschaft, Ökologie und Naturschutz, untersuchten die Flächen auf Kriterien wie Kennarten (eine Liste derer wurde zuvor an alle Teilnehmer ausgegeben), faunistische Diversität (auch Imker-Fähigkeit), Narbenschluss, Giftpflanzen und Futterwert. Mit dabei waren neben dem „Erfinder“ der Wiesenmeisterschaft, Dr. Rainer Oppermann vom Institut für Agrarökologie und Biodiversität, und seinem Kollegen Johannes Mangerich, unter anderem auch Oswald Tröndle vom BLHV, Geo Galbusera vom Landwirtschaftsamt Breisgau-Hochschwarzwald, Andreas Hummel von der Schwarzwaldmilch GmbH Freiburg und Holger Wegner vom Naturpark Südschwarzwald. Den französischen Part der Jury übernahm ein Vertreter des Naturparks Ballons des Vosges und Mitglieder der Naturschutzbehörden sowie der Landwirtschaftskammer im Elsass.

Der Artenreichtum in diesem Jahr war vielfältig und beeindruckend. Einige Kennarten wurden gefunden und es wurde durch die Experten betont, wie wichtig und bedeutend diese Flächen seien:

„Danke für eure Art der Bewirtschaftung. Diese Flächen sind sehr wertvoll, nicht nur für euch, sondern auch für die Gesellschaft und den Erhalt der Kulturlandschaft des Schwarzwaldes.“

– betonte Holger Wegner vom Naturpark Südschwarzwald stets bei jedem Flächenbesuch.

Adriane März
Eine besonders artenreiche Weide fanden wir hier. Viele Kräuter für das Jungvieh! Yum!
Adriane März
Eine Wildbiene in einer Glockenblume zum Schutz vor dem Wind – oder zum Schlafen.
Sebastian Schröder-Esch
Kopf nach unten – die Artensuche bleibt spannend.
Sebastian Schröder-Esch
Adriane März
Biodiversität in den Kulturlandschaften des Südschwarzwalds.
Adriane März
Adriane März
Adriane März
Auch sie gehören zu unserer Kulturlandschaft dazu!
Adriane März
Adriane März
Kulturlandschaft Südschwarzwald 🙂
Sebastian Schröder-Esch
Und das waren die diesjährigen Jurymitglieder.

Futterqualität und Biodiversität

Es war wirklich spannend zu sehen, wie Futterqualität und Biodiversität auf einer Fläche Hand in Hand gehen können. Es wurden auch einige Arten gefunden, die unter Naturschutz stehen. In diesem Falle können Landwirt:innen eine Prämie beantragen – für den Erhalt und Schutz der Biodiversität und Kulturlandschaft.

Die Wiesenmeisterschaft hofft auch so, mehr Interesse und Motivation zu schaffen, Flächen mit entsprechender Intention zu bewirtschaften. Also worauf wartet ihr noch? Bewerbt euch für nächstes Jahr und sichert euch tolle Gewinne!

Und die Gewinner sind….

Die sechs Preisträger:innen in den Kategorien „Wirtschaftsweiden“ und „Offenhaltungsweiden“ wurden ermittelt:

  • Tobias Albrecht, Hinterzarten
  • Egon Faller, Eisenbach
  • Martin und Johannes Faller, Titisee-Neustadt
  • Irmgard Jöckle, Breitnau
  • Meinrad und Andreas Lorenz, Oberried
  • Michael Rombach, Breitnau

Die Siegerehrung mit der genauen Platzierung, bei der die Gewinner ihre Preise entgegennehmen dürfen, wird im Sommer folgen. Die Gewinnerinnen und Gewinner der Wiesenmeisterschaft dürfen sich unter anderem auf Gutscheine für Abendessen bei Naturpark-Wirten und Sachpreise freuen. Schon jetzt herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für Ihren Beitrag zum Erhalt und Förderung der Biodiversität und Kulturlandschaft, die zum Heimatbild des Schwarzwaldes essenziell beitragen!

Kommentare 1

  1. Danke für diese Initiative!
    Vor 70 Jahren, waren die überall vorhandenen Wiesenblumen und das Toben in den Heuschobern das Schönste bei unseren regelmäßigen Ausflügen in den Schwarzwald. Traurig erlebte ich den überall sichtbaren Rückgang der Artenvielfalt in den letzten Jahrzehnten. Heuschober wurden zugunsten von – schlimmstenfalls weißen – auf den Feldern gelagerten Plastikgetümen stillgelegt. Auch die Tierhaltung wurde unter die Prämisse der Gewinnoptimierung gestellt. Die Wiesen wurden fleißig mit der dadurch angewachsenen Menge Gülle gedünkt… Traurig! Als ich dieses Wochenende seit langem in Lenzkirch eine prächtige Wiese, reich bewachsen mit all den bekannten Wiesenblumen entdeckte, stiegen mir vor Freude Tränen in die Augen.

    Monika Frfr. von Fürstenberg

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