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Vier Frauen, vier Wege

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Fachbeitrag
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Den passenden Weg für sich zu finden und alles unter einen Hut zu bringen, ist als Frau im ländlichen Raum nicht so einfach. Zwei Fachfrauen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald unterstützen Frauen auf diesem Weg.

Hannelore Green ist Beraterin für Einkommensalternativen und Heike Gutmann ist Gleichstellungsbeauftragte. Beide arbeiten im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Sie versuchen, Frauen dabei zu helfen, persönliche Interessen, Fähigkeiten, Geldverdienen und Carearbeit unter einen Hut zu bekommen. Das funktioniert über Vernetzung, Information und Inspiration, so ihre Erfahrung.

Die Lebens- und Berufswege von vier Frauen, mit denen die beiden Beraterinnen im Rahmen dieser Arbeit in Kontakt gekommen sind, stellen wir vor: vier Alltagsheldinnen, die ihren persönlichen Weg gesucht und in den „Grünen Berufen“ gefunden haben. Ihre Berufsabschlüsse und Qualifikationen sind unterschiedlich, gemeinsam haben sie aber eines: Sie arbeiten auf einem landwirtschaftlichen Betrieb oder haben daraus eine neue Existenz aufgebaut.

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Petra Rehm-Hug hat auch schon ein Buch über Kräuter geschrieben.

Kräuterfachfrau und Buchautorin

Wie kam es bei Petra Rehm-Hug dazu, eine Qualifikation als Kommunikations-Elektronikerin mit dem Fachwissen einer Kräuterpädagogin zu ergänzen? Die Liebe zu einem Landwirt führte sie nach Horben in die Steinmühle. Hier vor den Toren Freiburgs findet sich eine wunderschöne Landschaft, Natur pur, und es gibt jeden Tag etwas anderes zu entdecken. Als Tochter einer Floristin und eines Gärtners waren Pflanzen schon immer wichtig in ihrem Leben, interessierten sie aber als Kind damals nicht wirklich.
Um Kräuterpädagogin zu werden, absolvierte sie statt einer klassischen Berufsausbildung eine Heilpflanzenausbildung und bildete sich dann im Thema Wildkräuter ständig weiter. Für diese Grundqualifizierung nahm Petra Rehm-Hug sogar den weiten Weg nach Hohenlohe auf sich. Heute kennt sie die Wirkung ihrer Zutaten und verarbeitet die Kräuter und Früchte, die rund um den Hof und in der Region zu finden sind. Vermarktet werden diese Produkte unter dem Namen „wild und regional“ auf Märkten und ab Hof.
Gerne gibt sie ihre Erfahrungen bei Führungen in der Natur weiter und hat ihre Produkte in einem Buch für die Nachwelt festgehalten („Haltbare Kräuterprodukte: 100 Rezepte für Direktvermarkter von Kräutersalz bis Kosmetik“). Als Gastgeberin beim Projekt „Badisch Uffdischt“ kocht sie zudem traditionelle Gerichte der gehobenen Küche aus heimischen Zutaten und lädt ihre Gäste in die Steinmühle ein.
Dieses Jahr ist für die Familie ein Jahr der großen Veränderungen, denn es erfolgte die Hofübergabe. Für Petra Rehm-Hug wird sich, mit Unterstützung der Familie, eine Tür in einen neuen, noch etwas unbekannten Raum öffnen. Spannend und doch von vielen Fragen begleitet, nimmt sie diese Herausforderung an.

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Claudia Ketterer betreibt seit kurzem auch eine Gaststätte.

Hauswirtschaft ist vielseitig

Der Lebensweg von Claudia Ketterer aus Löffingen ist beispielhaft für die Berufsgruppe Hauswirtschaft. Nach der Ausbildung zur Ländlichen Hauswirtschafterin besuchte sie die damalige „Winterschule“, heute Fachschule für Landwirtschaft, Fachrichtung Hauswirtschaft in Donaueschingen, und die Dorfhelferinnenschule in Sölden. Insgesamt durchlief sie fünf Jahre berufliche Ausbildung.
Bis zur Familiengründung arbeitete sie als Dorfhelferin. In der Familienphase wurde 1999 die Nebenerwerbslandwirtschaft aufgegeben und die Ketterer GbR mit der Produktion von Fruchtaufstrichen gegründet. Mit einer Förderung über das Programm „Innovative Maßnahmen Frauen im ländlichen Raum“ (IMF) waren 2004 die Existenzgründung von „Claudias Früchteküche“ und der Ausbau des ehemaligen Stalls zum Verkaufsraum möglich.
Es begann mit der Verarbeitung der eigenen Früchte, über die Jahre verteilt kam es zur Erweiterung der Produktion und zusätzlichen Verarbeitung von Gemüse. Heute umfasst das hergestellte Sortiment etwa 75 Produkte. Die Vermarktung erfolgt größtenteils über Wiederverkäufer und im eigenen Verkaufsraum. Neu hinzugekommen ist 2020 die Gründung der Gaststätte „Kramers Stall“.
Ihre Mitarbeitenden sind ihr Mann und ihre vier Kinder, fleißige und zuverlässige Hände, eine verlässliche Familie. Claudia Ketterer berichtet, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf der wichtigste Grund war, sich selbständig zu machen. Dieses familiäre Modell ermöglichte ihr, zuhause zu sein, wenn die Kinder heimkamen, krank waren, ein Mama-Taxi brauchten oder die Schwiegermutter mit zunehmendem Alter Unterstützung benötigte.
Fort- und Weiterbildungen nimmt sie immer gerne wahr und nutzt so die fachlichen Informationen. Sie weiß die Kontakte und den Erfahrungsaustausch mit anderen Frauen und Direktvermarktern zu schätzen. In Bezug auf die Gaststätte sind das Netzwerk im Dorf und die ehrenamtliche Vereinstätigkeit wichtig. Der Bedarf in der Dorfgemeinschaft war ausschlaggebend, überhaupt eine Gaststätte zu eröffnen. Die Kombination Früchteküche und Gaststätte ergänzt sich gut, andererseits treffen manchmal auch die Arbeitsspitzen beider Betriebe
zusammen. Hier ist Ausgleich nötig, den sie beim Radfahren, Schwimmen, Lesen und im
Kirchenchor bzw. bei anderen Tätigkeiten in der Pfarrgemeinde findet, außerdem ist sie bei den Landfrauen aktiv.

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Anna Vogelbacher hat im Betrieb die Rinder unter sich.

Im klassischen Männerberuf

Schon früh war Anna Vogelbacher in den bäuerlichen Alltag auf dem Zinggehof in Lenzkirch im Schwarzwald eingebunden. Nach der Mittleren Reife entschloss sich die junge Frau zu einer klassischen Berufsausbildung als Landwirtin und legte vor einigen Jahren erfolgreich die Landwirtschaftsmeisterprüfung ab.
Es war nicht so einfach, sich in diesem klassischen Männerberuf durchzusetzen, aber sie hat es geschafft und arbeitet heute im familieneigenen Betrieb mit Direktvermarktung vor allem in der Tierhaltung und der Bewirtschaftung des Außenbereichs. Ihr Bruder befasst sich mit der Vermarktung der eigenen Produkte von Fleisch und Wurst bis zu Käse und anderen Milchprodukten.
Ein interessanter Rollentausch, der nur möglich ist durch einen starken Familienverband. Für Anna Vogelbacher ist es ein vielfältiger Beruf, der zwar sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, ihr aber auch viel Entscheidungsfreiheit gibt. Sie bringt sich in der Feuerwehr und im BLHV-Kreisvorstand ein und war auch schon Wiesenmeisterin im Naturpark Südschwarzwald.
Gerade mit all diesen Verpflichtungen ist es für sie wichtig, eine große Familie und einen verlässlichen Partner an ihrer Seite zu wissen. Das gibt ihr Halt und Motivation für die täglichen Herausforderungen. Ihre Kraftquellen sind die Natur und das Laufen als Auszeit, manchmal auch ein paar Tage Camping zwischen Silieren und Heumachen. In den nächsten Jahren wird sie gemeinsam mit ihrer Familie den landwirtschaftlichen Betrieb weiterentwickeln und zukunftsfähig aufstellen.

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Vanessa Wolf ist Winzermeisterin und arbeitet beim Amt.

Das Stadtkind und der Wein

Aufgewachsen ist Vanessa Wolff in Freiburg, als Stadtkind und echtes „Bobbele“ in Freiburg. Es war ihr Herzenswunsch, nach dem Abitur etwas Praktisches zu erlernen, und sie entschloss sich zur Winzerausbildung. Ohne eigenen Betrieb in einer Männerdomäne, als zierliche junge Frau und dazu noch fachfremd, war dies kein leichtes Unterfangen. Dennoch gab sie nicht auf und hielt an ihrem Traum fest, fiel zu Beginn abends todmüde ins Bett und lernte unter anderem, mit dem Schlepper in den Weinbergen zu fahren. Am Ende lohnten sich die Anstrengungen und sie absolvierte ihre Prüfung als Winzerin mit Bestnoten.
Als ehemalige Badische Weinprinzessin hatte sie gelernt, zu repräsentieren und die wunderbaren Weine der Region vorzustellen. Der Wunsch nach Weiterqualifikation brachte Vanessa Wolf an die Technikerschule nach Veitshöchheim.

Dort legte Vanessa Wolff nicht nur die Technikerprüfung, sondern auch die Winzermeisterprüfung mit fulminantem Erfolg ab. Quereinsteigerinnen haben es nicht leicht, als Frau noch dazu, aber mit fachlichem Können, Charme und Durchsetzungsvermögen überzeugte sie.
Mit ihrem Mann zusammen bewirtschaftet sie heute einen Weinbaubetrieb in Vogtsburg-Oberrotweil. Außerdem hat sie gerade ihre Ausbildung als Inspektorin im Fachbereich Landwirtschaft abgeschlossen und ist in Teilzeit am Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald angestellt. Durch ein flexibles Arbeitszeitmodell ist hier die Möglichkeit vorhanden, beide Aufgabengebiete miteinander zu vereinbaren und das zu leben, was ihr große Freude macht. Ohne die Familie und die helfenden Hände weiterer Arbeitskräfte wäre diese Tätigkeit nicht zu bewältigen. Ihre Kraftquellen sind ihr Mann, das gemeinsame Arbeiten in den Reben und ein tragfähiger Freundeskreis.

Kontakt

Hannelore Green und Heike Gutmann ermutigen Frauen offen zu sein, sich ausreichend zu informieren, mutig neue Wege zu gehen und Probleme als Herausforderungen zu sehen. Erreichbar sind sie unter hannelore.green@lkbh.de, Tel. 0761/2187-5922 und unter heike.gutmann@lkbh.de, Tel. 0761/2187-8250.

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