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Nadelstammholz auf absteigendem Ast

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Fachbeitrag
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Die anhaltenden Folgen der extremen Trockenheit und Borkenkäferkalamitäten bestimmen nach wie vor maßgeblich das Geschehen am Holzmarkt.

In Baden-Württemberg sind im laufenden Jahr mehr als 2 Mio. Fm Holz in zufälligen Nutzungen angefallen, davon rund die Hälfte als Käferholz. Schwerpunkt des Käferholzaufkommens ist die Region vom Hochrhein bis auf die Baar bzw. allgemein der südliche Schwarzwald. Zum anderen überprägen die weltpolitischen und -wirtschaftlichen Ereignisse das Geschehen an den Holzmärkten im Land.

Die allgemeine Geschäftslage der Forstbetriebe in Baden-Württemberg ist insgesamt gesehen überwiegend befriedigend, zum Teil sogar gut. Abschwächungen beim Absatz von Nadelstammholz werden durch Verbesserungen beim Laubstammholz, Industrieholz und vor allem Brennholz aufgefangen.

Sind die Boomzeiten jetzt vorbei?

Die Nachfrage nach Nadelstammholz hat seit Jahresmitte erheblich nachgelassen, der Druck auf die Preise hat sich verstärkt. Die Nadelholzsägewerke spüren seit Monaten eine rückläufige Schnittholznachfrage und haben ihre Produktion zurückgefahren. Etliche Werke haben beispielsweise die Betriebsferien im Sommer verlängert oder sind auf den Ein-Schicht-Betrieb zurückgefahren. Die Mitarbeiter feiern jetzt die in Boomzeiten aufgelaufenen Überstunden ab.

Einkauf agiert vorsichtig

Bundesweit wurden im ersten Halbjahr 2022 12,6 Mio. Kubikmeter Nadelschnittholz erzeugt. Dies sind rund 6,1 % weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Entsprechend vorsichtig agieren die Werke jetzt beim Einkauf von Nadelstammholz. Große Verträge für Lieferungen im vierten Quartal sehen für frisches Fichtenstammholz L2b+ Preise in der Größenordnung von 100 bis 105 Euro/Fm vor. Der C-Holzpreis liegt etwa 20 bis 25 Euro/Fm darunter. D-Holz wird zu rund 70 Euro/Fm verkauft.

In den Regionen mit hohem Käferholzaufkommen bieten einzelne Sägewerke Pauschalpreise über alle Güteklassen hinweg, sogenannte „BCD“-Preise. Sie liegen in der Größenordnung von 75 Euro/Fm. Die Nachfrage nach Kiefernstammholz hat ebenfalls nachgegeben. Selbst Douglasienstammholz, das in den letzten Jahren eine regelrechte Sonderkonjunktur erlebt hat, ist von der Marktabschwächung betroffen.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Rückgang der Produktion von Nadelschnittholz von einem Rekordniveau ausgeht. Nie zuvor haben Sägewerke in Deutschland so viel Nadelschnittholz erzeugt wie im Jahr 2021: glatte 25 Mio. Kubikmeter. Bei einer Schnittholzausbeute von rund 60 % ist dazu rechnerisch der Einschnitt von 42 Mio. Fm Stammholz notwendig.

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Vorzeichen sind negativ

Auch in preislicher Hinsicht geht der Rückgang von einem bislang nie dagewesenen Niveau aus. Die Preise von Nadelschnittholz setzten im Frühjahr 2021 zu einem Höhenflug an, der in der Spitze mehr als das Doppelte bisher üblicher Größenordnungen erreichte. Aktuell liegen die Schnittholzpreise immer noch um rund 50 % über ihrem bisherigen „Normalniveau“.

Die Vorzeichen für den künftigen Absatz von Nadelschnittholz sind negativ. Der Bausektor, einer der beiden Haupteinsatzgebiete von Nadelschnittholz, arbeitet zwar noch auf hohem Niveau, eine Abschwächung ist jedoch spätestens im Verlauf des kommenden Jahres zu erwarten. Dann werden die vorhandenen Aufträge abgearbeitet sein und neue Aufträge fehlen.
Die Zahl der Baugenehmigungen, insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser, ist seit dem Frühjahr rückläufig. Angesichts stark steigender (Bau)Preise und steigender Zinsen für Baukredite haben vor allem private Bauherren ihre Vorhaben zurückgestellt. Selbst bereits geschlossene Verträge wurden teilweise gekündigt. Die Banken haben ihre Anforderungen bei der Überprüfung der Kreditwürdigkeit hochgeschraubt und lehnen vermehrt Kreditanfragen ab.

Schwächelt auch die zweite Säule?

Sollte es zu einer flächenhaften und tiefen Rezession kommen – und vieles spricht dafür –, so wird auch die zweite Säule des Einsatzes von Nadelschnittholz, der Verpackungssektor, geschwächt. Weniger Wirtschaftstätigkeit und (Außen)Handel führen unmittelbar zu einem geringeren Bedarf an Paletten und Packmitteln. Mit zeitlichem Versatz werden die Forstbetriebe die rückläufige Schnittholznachfrage als rückläufige Stammholznachfrage der Sägewerke spüren.

Die rückläufige Nachfrage nach Nadelstammholz könnte jedoch auch auf ein vermindertes Angebot stoßen. Angesichts einer Inflationsrate von rund 10 % könnte mancher Privatwaldbesitzer versucht sein, den Einschlag zu verringern oder aufzuschieben. Daraus können sich jedoch künftige Risiken ergeben. Mit hohen und weiter wachsenden Holzvorräten steigt das Kalamitätsrisiko. Überspitzt formuliert: Heute unterlassene planmäßige Nutzungen sind die Kalamitätsnutzungen von morgen. Für die Forstbetriebe ergibt sich ein Dilemma: Aus waldbaulichen und forstschutztechnischen Gründen sollte der Einschlag intensiv weiterlaufen, marktseitig sollte er eher zurückgenommen werden.

In der Praxis findet der Ausgleich von Angebot und Nachfrage über den Export von Nadelstammholz nach China statt. Insbesondere in den stark von Käferholznutzungen betroffenen Regionen des Landes haben sich gut laufende Fernabsatzketten etabliert, die den Inlandsmarkt entlasten. Die im Export erzielbaren Preise bewegen sich zwischen 90 und 100 Euro/Fm.
Den Forstbetrieben ist zu empfehlen, vom Borkenkäfer befallene Bäume rasch und sauber aufzuarbeiten, dabei vorhandene Käfernester durchaus großzügig zu „rändeln“ und tendenziell eher die schwächeren Dimensionen zu ernten. Leichter geschrieben als getan.

Über 100 Euro/Fm für Buchen-Brennholz

Die infolge des Kriegs in der Ukraine stark gestiegenen Energiepreise kommen bei den Forstbetrieben in Form eines Nachfragebooms nach Brenn- bzw. Energieholz an. Die Mengennachfrage ist so hoch, dass sie kaum bedient werden kann. Gewerbliche Brennholzerzeuger bieten für Buchenholz in 4 bis 6 m Länge ab Waldstraße zwischen 90 und 100 Euro/Fm. Vereinzelt soll die 100-Euro-Marke bereits geknackt worden sein. Diese Preise reichen in den Bereich hinein, der sonst für schwächeres und qualitativ geringwertiges Buchenstammholz geboten wird.
Deshalb haben Forstbetriebe, die größere Buchenholzmengen vermarkten, vielfach ihre Aushaltung verändert. Nur die starken und guten Stämme werden als Stammholz ausgehalten. Alle anderen Sorten werden für die energetische Verwertung bereitgestellt. Dadurch verringert sich für die Laubholzsägewerke das Stammholzangebot. Da der Absatz von Laubschnittholz bislang ungebrochen gut läuft, ist ihre Nachfrage nach Laubstammholz anhaltend hoch. Steigende Laubstammholzpreise sind die Folge. Die Preise für Buchenstammholz liegen regelmäßig um 30 % über den Vorjahrespreisen, teilweise soll der Preisaufschlag sogar 50 % betragen.
Die energetische Holzverwertung nimmt aktuell nahezu alles auf. Das bietet den Forstbetrieben gute Absatzmöglichkeiten für Holzarten und -sorten, die sonst nur schwer oder zu unattraktiven Konditionen vermarktbar sind. Eine gute Gelegenheit also, genau diese Randsortimente jetzt gezielt bereitzustellen.
Die Aufbereitung zu ofenfertigem Brennholz ist eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit. Aber auch die Aufbereitung zu Hackschnitzeln ist wirtschaftlich attraktiv. Gewerbliche Hacker zahlen für das Material mindestens 110 Euro/t atro. Dies sind umgerechnet rund 50 Euro/Fm. Vorsicht bei der Fällung von absterbenden oder abgestorbenen Buchen: Hier ist der Arbeitssicherheit höchste Aufmerksamkeit zu schenken. Selbst starke und scheinbar gesunde Äste können unvermittelt abbrechen. In Zweifelsfällen heißt es: stehen lassen.

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