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Was sagen Sie dazu, Mr. President?

Julia Schüz
Statement
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Am 23. Juni hat der erste Alpen.Gipfel.Europa.2022 am bayerischen Schliersee stattgefunden. Wir haben darüber berichtet. Auch Bernhard Bolkart, Präsident des BLHV, war dabei – was er zum Alpen.Gipfel und zum Fokusthema Wolf gesagt hat, gibt’s hier!

Sie waren vergangene Woche auch beim Alpen.Gipfel dabei. Wie war Ihr Eindruck? Die Erkenntnis des Tages?

Die Veranstaltung war beeindruckend. Was da an Politik und Medieninteresse zusammengekommen ist und wie ungezwungen der Umgang war, das war wirklich gut. Die große Erkenntnis war, dass wir alle die gleichen Probleme haben. Das geht mit den Zuwegungen los, über die ganze Bürokratie bis hin zur Bruttoflächen-Diskussion.

Sehen Sie darin eine Chance, dass sich die Regionen zusammentun könnten?

Ja, wir müssen stärker den Austausch miteinander suchen. Was in einer Region schon funktioniert, was man dort erreicht hat, kann dann auch leichter in anderen Gebieten umgesetzt werden.

Aus dem Publikum wurde laut, dass die Wolfs-Diskussion seit Jahren läuft und kaum etwas passiert. Was sagen Sie dazu?

Die Politik schaut da zu sehr auf die städtischen Wählerschichten. Klar, das kann ich ein Stück weit verstehen. Aber wir haben da ein Problem, das in erster Linie den ländlichen Raum betrifft. Es ist entscheidend, dass wir ländliche Themen auf dem Land diskutieren und uns nicht von Wunschvorstellungen treiben lassen, die von Kuscheltierchen geprägt wurden.

Die Öffentlichkeit möchte Tierschutz für den Wolf. Wird dabei vergessen, dass es den Landwirt:innen auch um Tierschutz geht?

Die städtische Bevölkerung meint oft, unsere Tiere seien nur ein Wirtschaftsfaktor für uns. Ihr kriegt ja einen Ausgleich für verletzte und gerissene Tiere, für Zaunbau und Herdenschutz. Den müsst ihr nur abgreifen, dann funktioniert das. Die Sache ist aber viel komplexer und es geht tatsächlich nicht ums Geld. Es geht um die emotionale Bindung, die wir zu unseren Tieren haben, um die Arbeitsbelastung, wenn wir mit Zäunen und Herdenschutzhunden anfangen. Diese Man- und Woman-Power haben wir oft einfach nicht.

Was passiert im Anschluss an diesen Alpen.Gipfel? Sehen Sie das als Austausch oder kommt dadurch was ins Rollen?

Es wäre schade, wenn das nur ein nettes Beisammensein gewesen wäre. Was besprochen wurde, muss sauber zusammengefasst und entsprechend weiterverfolgt werden, vielleicht mit weiteren Akteuren. Die Berglandwirtschaft wird gerne auf Offenhaltung und Biodiversität reduziert. Entscheidend ist aber, dass das mit einer Wertschöpfung verbunden ist, mit einem Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern. Offenhaltung und Biodiversität resultieren daraus, aber im Vordergrund steht die Nutzung. Da wird hart gearbeitet, da wird Wertschöpfung betrieben, da werden hochwertige Nahrungsmittel produziert.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bolkart!

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