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Angriff auf die Nutztierhaltung: Was du auf keinen Fall auf Kritik von Verbrauchern antworten solltest

Demonstrant gegen TierhaltungIMAGO / serienlicht
Fachbeitrag
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Landwirtinnen und Landwirte, die Nutztiere halten, stehen häufig in der Kritik. Oft hat das mit Unwissenheit und Missverständnissen zu tun. Wie man aufklären und auf verbale Angriffe reagieren kann, hat das Projekt „Social Lab Nutztiere“ untersucht.

Petra LittnerKühe im Fressgitter
„Metallkäfige, wo die drin stehen“, so der Kommentar eines Laien, der an der Studie teilgenommen hat, zu einem ähnlichen Foto.

Was sieht eigentlich ein Mensch ohne landwirtschaftlichen Bezug, wenn er ein Foto von Kühen am Futtertisch sieht? Wahrscheinlich Metallstäbe um den Hals der Tiere. Weil er nicht weiß, dass sich dahinter ein Laufstall befindet, in dem sich die Kühe frei bewegen können, reimt er sich selbst etwas zusammen. Mit den negativen Bildern aus der Presse im Hinterkopf wird aus einer harmlosen Abtrennung schnell ein Gefängnis für Kühe.
Solche Missverständnisse gibt es gerade in Bezug auf die Nutztierhaltung viele. Im Projekt „Social Lab Nutztierhaltung“ untersuchen Expertinnen und Experten unterschiedlicher Einrichtungen seit 2015 genau solche vertrackten Situationen. Wie nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher die Nutztierhaltung wahr und wie lässt sich die Akzeptanz steigern? Das Besondere an der Untersuchung: Es wurden viele Akteure und Gruppen gleichzeitig betrachtet. Zudem machen gleiche Methoden die Ergebnisse vergleichbar.

Die besten Reaktionen auf Kritik

Bei einer Online-Veranstaltung des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) informierte Dr. Inken Christoph-Schulze vom Thünen-Institut über die Ergebnisse und gab Tipps für die Praxis. Wichtig ist zunächst: Der oder die Einzelne kann nicht die Sicht auf die komplette Branche verändern, sondern nur auf die eigene Person. „Das Individuum hat einen viel besseren Ruf als eine Branche“, erklärt Christoph-Schulze. Deshalb rät sie dazu, Angriffe nicht persönlich zu nehmen. Hier kann folgender Satz helfen: „Sie kennen mich doch gar nicht, wie kommen Sie darauf, dass ich meine Tiere so behandle?“ Dann kann man von seiner eigenen Arbeit erzählen und erklären, warum man was wie macht. Dabei sollte man sein Gegenüber aber nicht mit Informationen überfluten und auch nicht wie einen Schüler behandeln. Zudem ist es wichtig, dessen Sorgen ernst zu nehmen, etwa indem man sagt: „Ich kann verstehen, dass Sie sich Sorgen machen, aber…“

„Sie kennen mich doch gar nicht“

Dieser Satz kann helfen, mehr Offenheit zu erzeugen. Probier’s aus

Das Projekt hat gezeigt, dass die meisten dankbar sind, wenn ihre Fragen direkt vom Landwirt oder der Landwirtin beantwortet werden. Menschen, die Tierhaltung grundsätzlich ablehnen, wird man nicht überzeugen können. Wird solch eine Person bleidigend, können folgende Ansätze helfen: „Ich finde, dass Sie mich absolut zu Unrecht angreifen, und möchte nicht auf dieser Grundlage weiterdiskutieren.“ So kann man versuchen, die Person aus der Angriffshaltung zu holen. „Sie kennen mich doch gar nicht“, kann helfen, mehr Offenheit zu erzeugen.

Die No-Gos

Von folgenden oder ähnlichen Äußerungen rät das Projekt-Team ab, wenn du es mit kritischen Personen zu tun hast: „In der Landwirtschaft ist das halt so.“ „Sie sind falsch informiert.“ „Das ist Standard.“ „Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass…“ „So schlimm ist das alles nicht.“

Was die Branche für das Image der Nutztierhaltung tun kann

Die Branche muss eine geschlossene Haltung zeigen. „Es wird schwierig, wenn der Eindruck entsteht, die wollen alle unterschiedliche Dinge“, erklärt Inken Christoph-Schulze. Deshalb Achtung vor Kurzschlussreaktionen – lieber sollte man sich etwas mehr Zeit nehmen, damit möglichst viele Branchenmitglieder hinter den Forderungen und Positionen stehen. Alles andere sei kontraproduktiv.

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