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Rollen sie bald auf unsere Höfe? E-Lader in der Landwirtschaft

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Fachbeitrag
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Quelle: Badische Bauern Zeitung, Ausgabe 4 / 29.01.2022

Bisher gibt es sie kaum: E-Traktoren. Aber das Angebot an elektrifizierten Ladern für die Landwirtschaft wächst. Martin Vaupel von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt einen Überblick über die Technologie und das Angebot.

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Der neue L25 Electric von Volvo ist ein Radlader in der 5-t-Klasse. Er hat je einen Elektromotor für den Fahrantrieb und für die Arbeitshydraulik.

Weniger Abgase, weniger Lärm

Neben dem klassischen Frontlader erobern Hof-, Rad- und Teleskoplader die landwirtschaftlichen Betriebe. Denn für einen Lader gibt es immer was zu tun! Wieso nicht mal einen E-Lader einsetzen? Neben den Umweltaspekten gibt es noch weitere Vorteile: In schlecht zu belüftenden Gebäuden sind sie für Mensch und Tier weniger gesundheitsschädlich als die dieselbetriebenen Varianten. Außerdem sind die E-Lader leiser und werden daher besonders gerne bei Pensionspferdebetrieben mit Publikumsverkehr eingesetzt.

Durch eine Umstellung auf E-Fahrzeuge können außerdem Zeit und Geld gespart werden: Motorölwechsel, Luftfilterkontrolle, Diesel tanken… Bei einem E-Lader nicht nötig. Elektromotoren sind verschleißarm und haben einen höheren Wirkungsgrad als Dieselmotoren. Und da viele Landwirt:innen selbst Strom produzieren, können sie diesen auch gleich für den E-Lader nutzen.

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Angenehm leise sind E-Lader bei der Stallarbeit, so wie der neue E-Teleskoplader von JCB.

Bewährte Technik

Elektroantriebe sind an sich nichts Neues. In vielen Branchen sind sie schon seit Jahrzehnten täglich im Einsatz, zum Beispiel in Gabelstaplern. Häufig befinden sich in E-Ladern zwei Elektromotoren: Einer ist für die Arbeitshydraulik verantwortlich und treibt in erster Linie die Hydraulikpumpe für die Ladevorgänge an. Der zweite ist für den Fahrantrieb zuständig – entweder als Direktantrieb oder auch, um einen Hydraulikmotor anzutreiben, der dann den Lader in Bewegung versetzt.

Beim direkt-elektrischen Antrieb fällt auf, dass sich der Lader durch das hohe Anfahrdrehmoment des Elektromotors ungewohnt flott in Bewegung setzt. Das macht zwar Spaß, kostet aber auch Energie und ist für die meisten Arbeiten nicht nötig. Daher bieten einige Hersteller auch verschiedene Fahrstufen beziehungsweise einen Eco-Modus an. Der reicht für die üblichen Arbeiten aus und ermöglicht ein längeres, weil energiesparenderes Arbeiten. Zudem sind viele E-Lader mit einem Energierückgewinnungssystem ausgestattet. So werden beispielsweise die Akkus beim Bremsvorgang mit der dabei gewonnenen Energie aufgeladen.

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E-Lader können auf einem landwirtschaftlichen Betrieb alle anfallenden Arbeiten verrichten.
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Für den Einsatz in Ställen sind E-Lader besonders gut geeignet, da keine schädlichen Abgase für Mensch und Tier entstehen.

Memory-Effekt war gestern

Wo sonst meist der Dieselmotor sitzt, ist im E-Lader die Batterie zu finden. Die meisten Hersteller verbauen mittlerweile Lithium-Ionen-Batterien – damit kann möglichst viel Energie auf möglichst geringem Raum gespeichert werden. Dagegen sind Blei-Säure-Batterien mit gleicher Energiekapazität um ein Vielfaches größer und schwerer. Ein weiterer Vorteil: Beim Aufladen der Lithium-Ionen-Akkus spielt der aktuelle Ladezustand keine Rolle – Der gefürchtete Memory-Effekt (= langfristiger Kapazitätsverlust durch häufige Teilentladungen) entsteht nicht.

Gegenüber herkömmlichen Blei-Säure-Batterien sind Lithium-Ionen-Akkus allerdings in der Anschaffung teurer.

Vaupel
Wo sonst der Dieselmotor eingebaut ist, befindet sich beim E-Lader die Batterie. Sie ist Energiequelle und Kontergewicht zugleich.

Die Sache mit dem Aufladen

Natürlich haben auch die E-Lader Nachteile. Größtes Manko: Während Dieselfahrzeuge nach einem kurzen Tankstopp wieder einsatzbereit sind, ist die Einsatzzeit der E-Lader aufgrund der Batteriekapazität begrenzt. Die Hersteller geben zwar teilweise Laufzeiten für ihre Maschinen an, letztendlich sind diese aber sehr abhängig von der Einsatzart. Klar ist, dass im permanenten Dauerbetrieb nach zwei bis drei Stunden eine Ruhepause an der Steckdose erforderlich ist. Da die Lader aber in der Landwirtschaft nicht ständig in Gebrauch sind, passt der Einsatzrhythmus recht gut zu den Aufladezyklen.

Apropos Aufladen: Alle E-Lader verfügen über ein eigenes On-Board-Ladegerät, das über die herkömmliche 230-V-Steckdose versorgt werden kann. Je nach Größe der Batterie kann es allerdings acht Stunden und länger dauern, bis die Akkus wieder zu 100 % geladen sind. Um den Lader beispielsweise am Tag wieder schneller in Betrieb nehmen zu können, bieten die Hersteller externe Schnelllade-Systeme an. Mit Kraftstrom – zum Beispiel 400 V/32 A – verkürzt sich die Ladezeit extrem und viele Lader sind nach einer Stunde wieder startklar.

Das Angebot wird größer

In dieser Marktübersicht aus der Badischen Bauern Zeitung sind immerhin zwölf Hersteller gelistet, die einen E-Lader im Programm haben. In der Tabelle ist allerdings nur eine Auswahl von Ladern aufgeführt, es gibt noch weitere Hersteller. Vor allem kleine und mittelgroße Hoflader eignen sich aufgrund ihres niedrigeren Leistungsbedarfs für den Akkuantrieb. Dass es auch etwas größer geht, zeigt Volvo mit dem neuen Radlader L25 Electric, der in der 5-t-Klasse am Start ist. Auch elektrifizierte Teleskoplader sind auf dem Markt. Merlo hat mit dem „e-worker“ auch äußerlich einen etwas anderen E-Teleskoplader auf die Beine gestellt: Er verfügt nur über eine Hinterradlenkung, was eher unüblich ist. Durch den großen Lenkeinschlag ist er aber sehr wendig.

Bei den angegebenen Preisen handelt es sich in der Regel um Listenpreise der Hersteller ohne Mehrwertsteuer. Durch Händlerrabatte, Ausstattung und so weiter kommt es zu unterschiedlichen Endkundenpreisen – die Preise sind also nur grobe Angaben. Die Marktübersicht wurde vorwiegend mit den Angaben der Hersteller erstellt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.

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