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So sinnvoll ist das Mulchen von Maisstoppeln

Sprich
Fachbeitrag
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Von der trocken-warmen Witterung 2022 hat der Maiszünsler profitiert. Zur Ernte befinden sich die meisten Zünslerraupen bereits im unteren Teil des Stängels und werden nicht erfasst. Für eine effektive Bekämpfung ist eine Bearbeitung der Stoppel nach der Ernte notwendig. Das verringert auch den Infektionsdruck von Fusariumpilzen im kommenden Jahr.

Die Silomaisernte ist abgeschlossen. Auch die Körnermaisernte, die bereits Ende August begonnen hatte, dürfte weitgehend beendet sein. Die Erträge schwanken je nach Standort und Wasserversorgung immens, der durchschnittliche Flächenertrag beim Körnermais dürfte kaum über dem des Hitzesommers 2003 liegen. Von der trocken-warmen Witterung 2022 profitierte der Maiszünsler.

Wie sehen die Kolben aus?

Raiser
Raupe des Maiszünslers auf einem Maiskolben

An vielen Maispflanzen waren ab August zunehmend Bohrlöcher des Schädlings sichtbar, diese fielen durch das trockenheitsbedingte schnelle Abreifen meist nur bei genauer Betrachtung auf. Durch die Niederschläge und Windböen im September kam es zunehmend zu Stängelbruch und Ernteverlusten durch heruntergefallene Kolben. Die Befälle am Kolben hielten sich in diesem Jahr in Grenzen, so dass Körnerinfektionen durch Fusarienpilze meist gering waren und nur selten kritische Mykotoxingehalte gemessen wurden. Die Qualität der Ware ist dieses Jahr insgesamt gut.

Ab dem Spätsommer wandern die Zünslerraupen in Richtung des untersten Stängelknotens, wo sie als etwa 3 cm große Raupe überwintern. Zum Erntezeitpunkt befinden sich die meisten Schädlinge bereits im unteren Teil des Stängels und werden bei der Ernte nicht erfasst.

Das Winterquartier zerstören

Für eine effektive Zünslerbekämpfung ist eine zusätzliche Bearbeitung der Stoppel nach der Ernte notwendig. Bei einer intensiven Stoppelbearbeitung werden über 90 % der Larven sowie deren Winterquartiere zerstört. Idealerweise sollte das Maisstroh einschließlich des unteren Knotenbereiches zerkleinert, die Stängel geöffnet, zerspleißt und gleichmäßig auf der Fläche verteilt sowie mit Erde vermischt werden. Besonders effektiv arbeiten dabei Schlegelmulcher mit Hammerschlegeln und Gegenschneiden. Um umgedrückte Stoppeln besser zu erfassen, ist es sinnvoll, gegen die Ernterichtung zu mulchen.
Das Zerkleinern und Einmischen fördert außerdem die Rotte des Maisstrohs, damit reduziert sich das Risiko einer Fusariuminfektion von nachfolgendem Getreide und Mais deutlich. Ein weiterer Vorteil der schnelleren Strohrotte ist die bessere Nährstoffverfügbarkeit im folgenden Frühjahr.
Bei der in diesem Sommer anhaltenden Trockenperiode zeigte sich, dass Böden, die gut mit Kalk versorgt waren, ein höheres Wasserspeichervermögen aufwiesen und daher länger grün geblieben sind. Außerdem fördert eine Stoppelkalkung die Strohrotte.

Stoppelkalkung

Dabei ist zu beachten, dass erst bei einem pH-Wert über 6,5 viele Bodenorganismen, wie Regenwürmer, Springschwänze, Milben oder Tausendfüßler, ihre volle Aktivität entfalten können. Diese Fauna hat eine wichtige Bedeutung beim Strohabbau sowie beim Aufbau von wertvollem Dauerhumus. In der Praxis hat sich eine Erhaltungskalkung im Turnus von drei bis vier Jahren bewährt. Jetzt, nach der Ernte, ist ein idealer Kalktermin, da die Böden gut befahrbar sind, optimal ist ein flaches Einarbeiten des Kalkes in den Oberboden. Die empfohlene Aufwandmenge bei einer Erhaltungskalkung beträgt bei erdfeuchten kohlensauren Kalken etwa drei Tonnen pro Hektar.

Problemunkräuter zurückdrängen

Nach der Maisernte können mehrjährige, schwer bekämpfbare Unkräuter wie Windenarten, Schachtelhalm, Disteln, Beifuß oder Quecken gut bekämpft werden, sofern sie genügend Blattmasse gebildet haben und nicht durch Maisstroh abgedeckt sind. Dies dürfte diesen Herbst aufgrund der frühen Ernte der Fall sein.
Beim Einsatz von Glyphosat-Herbiziden ist zu beachten, dass der Wirkstoff zwar sehr schnell wirkt und damit eine schnelle Bodenbearbeitung nach der
Applikation ermöglicht, aber nicht alle Unkräuter optimal erfasst. So werden beispielsweise Windenarten, Schachtelhalm, Brennnesseln, Weidenröschen oder Brombeeren nicht sicher bekämpft.
Daher empfiehlt sich auf solchen Flächen der Einsatz von Kyleo, einer Kombination aus Glyphosat und dem Wuchsstoff 2,4-D. Dabei ist zu beachten, dass Kyleo für eine gute Windenwirkung etwa drei Wochen Einwirkzeit benötigt. Erst nachdem eine deutliche Vergilbung der Unkräuter eingetreten ist, sollte mit einer Bodenbearbeitung begonnen werden.

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