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Einmal richtig Schrubben – Bürsten für Bullen

KuhbürsteDeLaval
Fachbeitrag
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Seit Anfang 2022 können auch Rindermäster an der Initiative Tierwohl (ITW) teilnehmen. Eines der Kriterien für die Gruppenhaltung sind Scheuermöglichkeiten. Aber lässt sich die Kuhbürste aus dem Milchviehstall auch bei Mastbullen einsetzen? Erste Tests zeigen, was möglich ist.

imago images/Steffen SchellhornKuh kratzt sich
Auf der Weide scheuern sich Rinder an Bäumen, Sträuchern und Pfosten. In Milchviehställen gibt es rotierende oder auch fest verbaute Kuhbürsten, die von den Tieren gerne genutzt werden. Auch Mastbullen scheuern sich mehr oder weniger intensiv zum Beispiel an Pfosten, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

Die Initiative Tierwohl, die im April 2022 auch für die Rindfleischerzeugung gestartet ist, legt neben verschiedenen anderen Kriterien jetzt auch fest, dass allen Tieren in Gruppenhaltung „eine funktionale, an die Tierart angepasste Scheuermöglichkeit (zum Beispiel als Scheuer-Kratz-Bürste) angeboten werden muss“.

Die Scheuermöglichkeit soll den Tieren über die gesamte Mastperiode arttypisches Scheuern ermöglichen. So sollen sie sich wohler fühlen, sich besser beschäftigen und ihr Fell pflegen können. Dafür muss die Scheuermöglichkeit ein unebenes Oberflächenprofil aufweisen, das aber nicht zu Verletzungen führen darf und hinreichend groß bemessen sein soll – zum Beispiel 30 × 90 cm, vertikal angebracht. Die ITW schreibt also nicht ausdrücklich eine Bürste vor. Letztlich geht es darum, mehr Ruhe in den Stall zu bringen.

BertlingViehbürste
Mastbullen kratzen sich gerne im Kopf- und Halsbereich. Hier eine besonders stabile Ausführung einer Scheuermöglichkeit

Und tatsächlich: Auch Mastbullen nehmen das Angebot einer Scheuermöglichkeit intensiv an. Das zeigen die ersten praktischen Tests, wie etwa in einer Studie in Rheinland-Pfalz von 2021. In drei Betrieben wurde dort eine mit Gumminoppen besetzte Kratzmatte eingesetzt. Die Mastbullen nutzten die Matte, um sich überwiegend am Kopf- und im Halsbereich zu kratzen. Je mehr Platz um die Matte war, desto mehr wurde sie von den Tieren genutzt. Ein bemerkenswertes Ergebnis, weil in den drei Betrieben bereits gut strukturierte Großbuchten mit 24 bis 40 Mastbullen vorhanden waren.

Im Gegensatz zu diesen Großbuchten mit getrennten Liege-, Lauf- und Fressbereichen sind herkömmliche Buchten für Masttiere meist unstrukturiert, begrenzt in der Grundfläche und nur mit wenigen Tieren pro Bucht besetzt. Daraus ergeben sich für den Einsatz der geforderten Scheuermöglichkeiten erhebliche Einschränkungen.

Viehbürste im Mastbullenstall anbringen

SchmidtmannViehbürste im Liegebereich
Es erscheint sehr viel leichter zu definieren, wo die Scheuermöglichkeit nicht angebracht werden sollte, nämlich auf keinen Fall im Liegebereich. Ansonsten würde man die Ruhezone beinträchtigen. Ebenso wenig eignen sich Tränke- und Fressbereich, weil so Futter und Wasser blockiert oder verschmutzt werden könnten.

Für ältere, typische Mastbuchten mit Spaltenboden – etwa 5 m breit, 3,50 m tief und mit sechs Tieren belegt – bedeutet das: Die Scheuermöglichkeit lässt sich nicht optimal anbringen. Hier gilt es im Einzelfall abzuwägen, an welcher Stelle die Einrichtung am wenigsten „stört“. Eine mögliche Lösung: Zwei Buchten werden zu einer Doppelbucht zusammengelegt, sodass eine brauchbare Strukturierung geschaffen werden kann. Dann könnte man die Scheuermöglichkeit am Pfosten des nicht mehr benötigten Buchtentrenngitters befestigen.

In Buchten mit größerer Buchtentiefe, wie sie in Tretmistställen üblich sind, lässt sich dagegen fast immer ein geeigneter Platz finden, etwa am Buchtentrenngitter. Dabei ist auf eine stabile Ausführung und eine dauerhafte Befestigung zu achten. Außerdem sollte das Gitter selbst fest installiert sein. Denn es muss den sich scheuernden Bullen standhalten und sollte keinen zusätzlichen Lärm durch Klappern verursachen.

Woran können sich Mastbullen kratzen?

Nur in Großgruppen ab rund 40 Mastbullen sind elektrisch angetriebene, rotierende Bürsten wie in der Milchviehhaltung wirtschaftlich sinnvoll. Denn die Kosten belaufen sich auf rund 1500 bis 3000 Euro. Die Mastbullen nutzen diese Bürsten sehr ausgiebig, der Verschleiß der Borsten dürfte vergleichbar mit dem Einsatz in Milchviehherden sein. Rotierende Bürsten ohne elektrischen Antrieb – sogenannte Schwingbürsten – sind günstiger und etwa für 1000 Euro zu haben. Aber auch sie finden nur in größere Buchten genügend Platz. Weitaus günstiger sind vertikal angeschraubte Scheuerbürsten oder die Kombination mit einer horizontalen Bürste an einer Spiralfeder. Einfache Straßenbesen sind in der Regel nicht stabil genug und werden von den Bullen meist schnell zerlegt.

SchmidtmannViehbürste
Rotierende Bürsten werden von den Bullen intensiv genutzt. Allerdings sind sie erst bei Gruppengrößen ab 40 Bullen wirtschaftlich.

Wie oben beschrieben wird nicht ausdrücklich eine Scheuerbürste gefordert. Somit kommen Alternativen ins Spiel, zum Teil auch selbst gebaute Lösungen. Im Handel sind – bislang eher für Milchkühe genutzt – Matten mit Gumminoppen erhältlich, wie sie auch in der oben genannten Studie in Rheinland-Pfalz eingesetzt wurden. Diese können flach oder auch rund um einen Pfosten angebracht werden. In der Studie nutzten die Bullen diese Möglichkeit gerne, allerdings waren die Gumminoppen schon nach fünf Monaten stark abgenutzt.

SchmidtmannRiffelblech als Scheuermöglichkeit für Mastbullen
Riffelbleche sind stabil und erfüllen trotzdem ihren Zweck.

Einen sehr stabilen Eindruck machen Riffelbleche aus Edelstahl, die sehr günstig in Durchgängen platziert werden können, zum Beispiel zwischen dem Fress- und Liegebereich. Die Riffelbleche werden intensiv von den Tieren genutzt und verlieren auch nicht an Attraktivität. Wenn keine entsprechenden Durchgänge oder Pfosten für die Anbringung in der Bucht verfügbar sind, sollte Riffelblech immer erhaben am Buchtentrenngitter platziert werden, damit die Tiere sich an möglichst allen Körperpartien scheuern können. Eine nur flächig angeschraubte Platte aus Riffelblech reicht nicht aus.

Eine Alternative könnte auch ein senkrecht angebrachter Scheuerpfahl aus Hartholz sein, an dem sich die Tiere über die gesamte Mastperiode hinweg kratzen können. Hier fehlen bislang aber die Praxisbeispiele.

Worauf man bei Scheuermöglichkeiten für Bullen noch achten sollte

  • Die Tiere dürfen sich nicht an der Scheuermöglichkeit oder am Befestigungsmaterial wie etwa vorstehenden Schraubenköpfen verletzen. Auch dann nicht, wenn sie schon abgenutzt ist.
  • Grundsätzlich darf von den verwendeten Materialien keine Gefahr für die Tiere und die Umwelt ausgehen. Können sich zum Beispiel Rückstände über die Gülle oder den Mist verbreiten?
  • Das verwendete Holz darf nicht splittern.
  • Die Scheuermöglichkeit sollte mindestens eine ganze Mastperiode durchhalten, denn in der Regel lässt sie sich erst nach dem Ausstallen erneuern.

Fazit

Eine gute Scheuermöglichkeit ist ganz sicher ein wertvoller Beitrag für mehr Tierwohl im Mastbullenstall. Das zeigt die intensive Nutzung durch die Bullen bei den ersten „Prototypen“. Die Auswahl geeigneter Materialien und die Anbringung in der Bucht befinden sich jedoch noch in der Testphase.

 

Eure Testergebnisse

Habt ihr eigene Lösung entwickelt oder Erfahrungen mit verschiedenen Scheuermöglichkeiten sammeln können? Schreibt uns!

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