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So könnt ihr beim Mähen der Biodiversität etwas Gutes tun

MähwerkMusche
Fachbeitrag
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Wie man Grünland erntet, hat Auswirkungen auf die Biodiversität im Bestand. Welche, das erfahrt ihr hier.

MuscheInsektenretter
Dem Schlegelmulcher vorgeschaltete Drahtbügel scheuchen gefährdete Grünlandbewohner auf.
MuscheDrahtfinger
Ein Anbaubalkenmähwerk, bei dem Drahtfinger das Schnittgut der Absaugung zuführen.

Angesichts der politischen und gesellschaftlichen Forderungen zur Erhöhung der Biodiversität entwickeln die Hersteller Verfahrensweisen und Techniklösungen, die zum Schutz der betroffenen Tierwelt beitragen können.
Doch es geht nicht nur um Insekten, sondern auch um Wirbeltiere, die durch die Grünflächenmahd gefährdet werden. Zu beachten ist, dass diese Tiere unterschiedliche Überlebensstrategien anwenden. Manche treten die Flucht an in einen Bereich, wo ihnen der Schutz am aussichtsreichsten erscheint, nämlich in die noch ungemähten Areale. Deshalb empfiehlt es sich immer, von innen nach außen zu mähen, um einen großen Fluchtbereich zu bieten.
Andere Tiere bevorzugen das Ducken oder Unsichtbarmachen und können sich dadurch oft nicht mehr rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich retten. Gebläse oder Drahtbügel können diese Tiere dann doch noch rechtzeitig zur Flucht animieren. Etliche bedrohte Grünflächenbewohner sind schlicht fluchtunfähig (Nesthocker), zu langsam (Frösche) oder können die Gefährdung nicht richtig oder schnell genug orten (Schlangen, Eidechsen).

Werkbildsauerburger
Das Doppelmesser-Mähwerk erfüllt die Forderungen und Wünsche von Politik und Gesellschaft nach einem schonenden Mähverfahren auf Grün- und Naturschutzflächen, das das Leben von Insekten und Kleinstlebewesen nicht gefährdet.

Die zu mähenden Flächen sind in allen Ebenen bewohnt. Je vielfältiger der Pflanzenbestand, desto größer ist auch die Zahl der dort heimischen Tiere und Tierarten. Sie alle benötigen diesen Lebensraum. Je weniger in dieses System eingegriffen wird, desto besser. Eine gezielte, extensive Mahd gewährleistet das Aussamen. Um trotzdem die Belange des Menschen zu sichern, kann zum Beispiel jährlich nur ein Seitenstreifen gemäht werden oder man lässt alle 100 Meter ungemähte Inseln stehen.
Vor- und Nachteile hat das Mähen zu jedem Zeitpunkt. Die Frühjahrsmahd hält den Bestand niedrig. Die Herbstmahd ermöglicht das Aussamen der Kräuter. Der Zweijahresrhythmus ermöglicht es den Insekten und anderen Kleintieren, auf der Fläche zu überwintern. Die besten Ergebnisse im Sinne einer ökologischen Bewirtschaftung werden erzielt, wenn alle drei Varianten auf derselben Fläche im Wechsel angewendet werden. Wer den Boden mager halten will, was einen vielfältigeren Bewuchs tendenziell fördert und die Sonnenstrahlen bis auf den Boden gelangen lässt, muss das Schnittgut abfahren. Ladewagen oder Ballenpresse sind hierfür notwendig. Hauptabnehmer können dann ortsansässige Biogasanlagen sein.
Entscheidend für eine tierfreundliche Mahd ist, dass das Schnittverfahren und die Schnitthöhe entsprechend ausgewählt werden. Laut Van de Poel und Zehm beträgt die Insektensterblichkeit bei handgeführten Balkenmähern zehn bis 20 %, bei traktorgebundenen Balkenmähern 20 bis 30 %, bei Kreiselmähern 30 bis 40 %, bei Mähwerken mit Walzen- oder Fingeraufbereitern 60 bis 70 % und bei Sichel- und Schlegelmulchern 60 bis 100 %.
Die Erhöhung der Schnitthöhe von fünf auf 10 cm verringert das Sterblichkeitsrisiko aller in der Fläche befindlichen Tiere um 50 bis 70 %. Außerdem sinkt dadurch die Gefahr etwa um die Hälfte, dass die Schneidmesser mit Fremdkörpern in Kontakt kommen, was besonders bei allen Mähwerken wichtig ist.

Balkenmäher

In den letzten Jahren haben Balkenmäher zur Futtermittelgewinnung an Bedeutung verloren, wogegen sie im kommunalen Bereich zugenommen haben. Mit geringem Kraftbedarf und guter Hangtauglichkeit kann der Bediener Gras in jeder Höhe umweltschonend und sicher mähen. Dieses auf Scherenschnitt basierende System kommt mit einer relativ geringen Messergeschwindigkeit aus, es sind 500 bis 1000 Hübe/min. Balkenmäher benötigen eine relativ geringe Antriebsleistung.
Wie Kreisel-, Sichel- oder Schlegelmäher sind sie anfällig gegenüber Fremdkörpereintrag. Das haben die Hersteller erkannt und dementsprechend nachgebessert. Doppelmesser- und Schwinghebelantriebe kommen deshalb vermehrt zum Einsatz. Die Verstärkung von Unter- und Obermesser sowie robustere Klingen sorgen für eine längere Haltbarkeit. Selbst für verholztes Gestrüpp gibt es jetzt Ganzstahlmähbalken, die auf der Basis des Balkenmäherprinzips arbeiten. Dank hoher Gleitkörper können bei beiden Varianten Schnitthöhen von über 8 cm erreicht werden. Das erhöht auch die Lebensdauer des Schneidwerkes enorm, da das Risiko von Blockaden oder Beschädigungen durch Fremdkörper deutlich verringert wird. Balkenmäher sind nach wie vor das tierfreundlichste Mähsystem für große Flächen.

Kreiselmäher

Kreiselmäher wurden für den landwirtschaftlichen Bereich entwickelt, um effektiv und sauber große Wiesenflächen zu mähen. Größte Vorteile sind die Unempfindlichkeit gegenüber Steinen und anderen Fremdkörpern und die Möglichkeit der Langgrasmahd. Die frei laufenden Teller mit Fliehkraftklingen rotieren mit hoher Geschwindigkeit, rund 3000 U/min, dicht über dem Boden. Es gibt eine faunaschonende Variante: Die Laufteller sind bodenseitig abgedeckt und die Klingen ragen nur im frontalen Halbkreis darüber hinaus. Die Messer sind so gefertigt, dass kein Sog entsteht. Die Luftzuführung kommt von oben. Die Schnitthöhe beträgt zehn bis 15 cm, deutlich mehr als üblich.

Schlegelmulcher

Da bei Schlegelmulchern die Mähwerkzeuge auf einer horizontalen Welle rotieren, greifen sie sozusagen von oben in den Bewuchs ein. Verbunden mit den lose gehängten Y-Messern zerkleinern sie alles, was ihnen in die Quere kommt. Es treten dabei massive Schleuder- und Saugkräfte auf. Die auftretenden Vibrationen und Schwingungen sind enorm. Um dieses Mähsystem faunafreundlich zu gestalten, sind vorgeschaltete Drahtbügel oder starke Blasturbinen geeignet, um gefährdete Grünflächenbewohner zu vertreiben. Außerdem sollten sie auch grundsätzlich nur noch über einer Schnitthöhe von mehr als 8 cm und ohne durchgängige Stützwalze zum Einsatz kommen, um die Dezimierung der Grünflächenbewohner zu verringern.

Sichelmäher

Sichelmäher sind ebenfalls sehr häufig anzutreffen. Die meisten Rasenmäher funktionieren nach diesem Prinzip. Sie sind preisgünstig, haben eine hohe Schnittleistung, erlauben eine einfache Schnittgutaufnahme und sind unkompliziert in der Bedienung, Pflege und Wartung. Dabei läuft horizontal ein Messer mit 3000 U/min in einem geschlossenen Gehäuse. Was in das Gerät gelangt, wird meistens mehrfach geschnitten. Die dabei auftretenden Saug- und Schleuderkräfte sind groß. Der Leistungsbedarf ist relativ gering, benötigt wird ein Verbrennungsmotor mit 1 bis 1,5 PS je 10 cm Schnittbreite. Hier können nur vorgeschaltete Bürsten- oder Drahtleisten und eine Schnitthöhe über 8 cm die Rasenbewohner ein wenig schützen.

Die ebenfalls zur Klasse der Sichelmäher gehörenden Robotermäher haben in dieser Hinsicht ein paar Besonderheiten. Einerseits haben die Mähmesser keine große Saugwirkung. Andererseits liegen die Vibrationen und Schwingungen in einem völlig anderen Frequenzbereich und sind deshalb nur von einem geringeren Teil der Tierwelt als Gefahr erkennbar. Da diese Mäher nur sehr geringe Grashöhen bewältigen, arbeiten sie immer bodennah, wo sich auch die Mehrzahl an Rasenbewohnern aufhält.

Ökologische Aspekte

So sieht ein Aufnahmewagen für Schnittgut aus.

Naturschutzverbände fordern, zur Erhaltung und Stabilisierung der vorhandenen Flora das Schnittgut von der Fläche zu entfernen. Bei der extensiven Flächenmahd geschieht das mittels Kehrbürsten am schonendsten. Das funktioniert auch in der großflächigen Anwendung als angehängte Einheit am Universaltraktor.
Bei Langgras ist die Lösung aufwendiger. Am schonendsten sind Heuschieber am Einachser oder Gummifingerwalzen mit nachgeschaltetem Querförderband. Meistens wird das Schnittgut mittels Bandrechen von der Fläche geräumt oder es muss gebläsegerecht zerkleinert werden. Eine weitere Variante ist die Zuführung des Schnittgutes mittels Drahtfinger, denn dabei werden viele noch im Gras befindliche Lebewesen abgeschüttelt. Eine andere Möglichkeit ist es, das Schnittgut zu heuen und es später zum Abtransport zu kleinen Ballen zu wickeln.
Einige Hersteller entwickeln angehängte Aufnahmecontainer, die per Federzinken das Schnittgut auf ein Förderband bugsieren und somit eine sehr schonende Langgrasaufnahme gewährleisten können.

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