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Die Optionen im Überblick

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Fachbeitrag
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Manche schießen ihre Rinder auf der Weide, bei anderen rollt der Schlachtanhänger auf den Hof – die mobile Schlachtung wird immer beliebter. Wer mitmachen will, hat je nach Haltungsform und Lage mehrere Möglichkeiten. Wenn du dich schlau machen willst, bist du hier richtig.

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Fleisch aus mobiler Schlachtung erfüllt den Verbraucher-Wunsch nach mehr Tierwohl bei der Tötung.

Die vollmobile Schlachtung

Als „vollmobil“ bezeichnet man eine Schlachtung, bei der sich der gesamte Schlachtprozess auf dem Hof abspielt. Die getöteten Tiere werden nicht zum Schlachthof transportiert, sondern vor Ort ausgenommen und entsprechend verarbeitet. Das Schlachtmobil ist bei diesem Konzept als eigenständige Schlachteinheit zugelassen, also quasi ein „Schlachthof auf Rädern“.

… von Geflügel

Vollmobile Schlachtungen sind besonders bei Geflügel üblich. Sobald das Schlachtmobil betriebsbereit auf dem Hof steht, können die Tiere in Transportkisten zu den Mitarbeitenden des Schlachtunternehmens gebracht werden. Dort werden sie elektrisch betäubt und bluten anschließend aus. Im Brühkessel werden die Schlachtkörper erhitzt, die Rupfmaschine entfernt das Gefieder. Im reinen Bereich des Schlachtanhängers wird das Geflügel ausgenommen und gesäubert. Anschließend können die Tiere direkt in die hofeigene Kühlung gebracht, weiterverarbeitet und vermarktet werden – alles bleibt auf dem Hof.

Wir waren an einem Schlachttag bei Familie Merkel zu Besuch und haben dem mobilen Geflügelschlachter Daniel Harter bei der Arbeit zugesehen. Hier geht’s zum Bericht!

… von Rindern

Auch das vollmobile Schlachten von Rindern (und anderen Großtieren) ist möglich, wird in Deutschland bisher aber nur selten praktiziert. Dabei wäre das gerade für abgelegene Direktvermarktende interessant, da die Transportwege wegfallen.

Ihr schlachtet eure Großtiere vollmobil oder kennt jemanden, der das macht? Dann meldet euch gerne bei uns! Wir sind gespannt auf eure Erfahrungsberichte und teilen diese natürlich auch gerne hier am Stammtisch.

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Bei der mobilen Schlachtung können die Tiere bis zum Tod auf dem Hof bleiben.

Die Hofschlachtung

Wer nicht den gesamten Schlachtprozess auf dem eigenen Hof stattfinden lassen möchte, beispielsweise weil geeignete Kühl- und Lagerräume fehlen, kann über die Hofschlachtung nachdenken. Dabei wird das Tier zwar auf dem Hof getötet, anschließend aber in einen Schlachthof gebracht und dort weiterverarbeitet – man spricht daher auch von „teilmobiler Schlachtung“.

Das Tier wird in seiner gewohnten Umgebung möglichst stressfrei fixiert, per Bolzenschuss betäubt und anschließend durch Blutentzug getötet. Im Anhänger wird es dann zum Schlachthof gefahren, wobei der Transport nicht länger als zwei Stunden dauern darf.

Bei diesem Konzept ist der Schlachtanhänger übrigens keine eigenständige Schlachteinheit, sondern gilt als mobiler Teil eines stationären Schlachthofs.

Generell kommt die Hofschlachtung für alle Haltungsformen und Tierarten in Frage. Pro Schlachtvorgang dürfen aktuell bis zu drei Rinder oder drei Pferde bzw. Esel oder sechs Schweine geschlachtet werden.

So einen Schlachtanhänger kann man sogar selbst bauen. Wir waren bei Wilhelm und Heiko Klumpp zu Besuch und durften uns von ihrem Eigenbau überzeugen. Zum Bericht geht’s hier!

Die Weideschlachtung

Aktuell gilt: Nur wer seine Rinder ganzjährig im Freien hält, darf sie auch dort per Weideschuss töten. Diese Ausnahmeregelung ist in § 12 Tier-LMHV (Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung) verankert. Die Weideschlachtung unterscheidet sich dabei in einigen Punkten deutlich von der Hofschlachtung:

  • Das Rind wird im freien Lauf getötet, also ohne vorher fixiert zu werden.
  • Getötet wird das Rind mit einer Schusswaffe.
  • Das Transportfahrzeug muss nicht EU-zugelassen sein, aber eine Eignungsprüfung bestehen.

Aus dem Blickwinkel des Tierschutzes ist der sogenannte „Kugelschuss auf der Weide“ ideal. Da die Rinder weder separiert noch fixiert werden müssen, kann Stress für Tier und Mensch bestmöglich vermieden werden. Schießen können entweder befähigte Dienstleistende, zum Beispiel Jäger:innen, oder auch ihr selbst, sofern ihr eine waffenrechtliche Erlaubnis habt. Nach dem Weideschuss lässt ein:e Metzger:in das Tier vor Ort ausbluten. Das getötete Rind wird anschließend in eine stationäre Schlachtstätte transportiert und dort weiterverarbeitet, wobei die Fahrt nicht länger als zwei Stunden dauern darf.

Wer eine Weidetötung durchführen möchte, benötigt generell die Genehmigung der zuständigen Veterinärbehörde. Dabei können regionale Unterschiede auftreten, da die Weideschlachtung leider noch nicht einheitlich geregelt ist.

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Die Weideschlachtung ist derzeit leider nur für Rinder erlaubt, die ganzjährig im Freien gehalten werden.

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