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Proteinmix der Zukunft

SojabohneIMAGO / YAY Images
Statement
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Die Eiweißlücke in der Nutztierfütterung will sich einfach nicht schließen. Seit Jahren schwankt der Wert zwischen 15 und 25 Prozent, im aktuellsten Bericht aus dem Wirtschaftsjahr 2020/2021 ist die Rede von 18 Prozent importiertem Rohprotein.

Anbauflächen von Leguminosen, Raps und Weizen

Die Produktion entwickelt sich zwar dynamisch, geht aber von einem niedrigen Niveau aus. Zum Beispiel wurden 2020/2021 60 Prozent mehr heimische Leguminosen an Nutztiere verfüttert als im Jahr davor. Schaut man sich jedoch die Anbauflächen an, ist das eher ernüchternd. 2020 lag die Anbaufläche von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen zusammen bei nicht einmal 200000 Hektar. Verglichen mit Weizen, der allein rund 2,8 Millionen Hektar einnimmt, ist das ein Klacks. Besser weg kommt Raps, der auf rund einer Million Hektar angebaut wurde. EU-weit hat Soja die Eine-Million-Hektar-Marke 2021 geknackt – nicht einmal ein Prozent der weltweiten Anbaufläche.

IMAGO / agrarmotiveSojabohnen in Endingen
Mit dem Klimawandel nimmt der Sojaanbau auch in Deutschland zu.

Proteine sind weltweit knapp

Proteine sind Mangelware – nicht nur in Deutschland und der EU. Die Preisentwicklung zeigt: Eiweiß ist weltweit knapp. Das zeigte sich schon vor dem 24. Februar 2022. Viele haben das längst erkannt. Zum Beispiel hat das Raiffeisen Kraftfutterwerk in Kehl schon vor über zehn Jahren begonnen, den Sojaanbau in der Region zu fördern. Zehnjähriges feierte im vergangenen Jahr auch der Verein Donau-Soja, der mittlerweile in 27 Ländern vertreten ist und sich für eine gentechnikfreie Sojaproduktion in Europa einsetzt.

Insekten als Proteinfutter

Immer mehr Bewegung kommt auch in das Thema Insekten. Erst kürzlich hat die EU weitere Produkte aus Insekten für Nahrungsmittel zugelassen, seit 2021 dürfen auch Schweine und Geflügel damit gefüttert werden. Solange aber in der Insektenzucht statt organischem Abfall hochwertige Futtermittel verwendet werden müssen, sind wir bei der Eiweißlücke keinen Schritt weiter.

Maria WehrleLarven der Schwarzen Soldatenfliege
Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden teilweise jetzt schon für die Futterindustrie gezüchtet.

Potenzial von Leguminosen im Grünland und Ackerfutterbau

Wer aber bei der Proteinversorgung nur an „Stars“ wie Soja und Insekten denkt, schränkt seinen eigenen Handlungsspielraum enorm ein. Denn auch im unscheinbaren Grünland oder im Ackerfutterbau steckt noch Potenzial. Nicht nur, weil man weniger Eiweißfutter zukaufen muss, sondern auch, weil weniger Geld für Dünger draufgeht. Zudem kommen Rotklee oder Luzerne gut mit Trockenheit klar – ein großes Plus in Zeiten des Klimawandels. Ob sich die Eiweißlücke für Deutschland mit kleinkörnigen Leguminosen schließen lässt, ist erst mal zweitrangig. Wichtiger ist es, die Potenziale für den eigenen Betrieb zu nutzen. Ganz nebenbei entsteht dann ein zukunftsfähiger Proteinmix, der zumindest die Eiweißlücke auf dem eigenen Hof verkleinert.

Wie groß ist deine Eiweißlücke? Wie viel Eiweißfuttermittel kauft ihr zu und glaubt ihr, es ginge auch ohne? Schreibt uns direkt oder über die Kommentar-Funktion 🙂

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